Landkreis Havelland
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Vorlage - BV-0309/12  

 
 
Betreff: Festlegungen zu den Kriterien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden insoweit erfahrenen Fachkraft
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
  Aktenzeichen:II 51 Zi 44/11
Federführend:Dezernat II, Amt 51 - Jugendamt Bearbeiter/-in: Schmidt, Susanne
Beratungsfolge:
Jugendhilfeausschuss Entscheidung
17.10.2012 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag:

Beschlussvorschlag:

 

Der Jugendhilfeausschuss möge beschließen:

 

Die Anforderungen an die Qualifikation für die beratend hinzuzuziehende Fachkraft in den Fällen des § 8 a  Abs. 4 SGB VIII werden entsprechend der Darstellung zu Ziff. II zukünftig mit den Trägern vereinbart.

 

Sachverhalt:

Sachverhalt:

 

I.                    Sachverhalt

 

Das Jugendamt hat in den Vereinbarungen mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, die Leistungen nach dem SGB VIII erbringen, gem. § 8 a Abs. 4 SGB VIII sicherzustellen, dass

 

1.      deren Fachkräfte bei Bekanntwerden gewichtiger Anhaltspunkte für die Gefährdung eines von ihnen betreuten Kindes oder Jugendlichen eine Gefährdungseinschätzung vornehmen,

2.      bei der Gefährdungseinschätzung eine insoweit erfahrene Fachkraft beratend hinzugezogen wird, sowie

3.      die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder der Jugendliche in die Gefährdungseinschätzung einbezogen werden, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.

 

In diese Vereinbarungen mit den Trägern hat das Jugendamt entsprechend der Neuregelung im Bundeskinderschutzgesetz Kriterien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden insoweit erfahrenen Fachkraft aufzunehmen.

 

Von dieser Regelung sind alle Träger der freien Jugendhilfe, die im Landkreis Havelland tätig sind, betroffen. Die Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgabe dient dem Kinderschutz im Landkreis Havelland sowie der Qualitätsentwicklung gem.

§ 79 a SGB VIII. Die Beschreibung von Kriterien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden insoweit erfahrenen Fachkraft hat somit grundsätzliche Bedeutung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Landkreis Havelland.

 

Die nachfolgenden Kriterien orientieren sich an den Empfehlungen der Fachstelle Kinderschutz des Landes Brandenburg sowie der Ausarbeitung der Arbeitsgruppe zum neuen BKiSchG im Landkreistag Brandenburg. Die Kriterien beinhalten, dass zum Einen Fachkräfte iSd. § 72 SGB VIII mit Erfahrung eingesetzt werden, zum Anderen, dass diese Fachkräfte zusätzliche erforderliche  methodische Kompetenzen im Rahmen von Weiterbildungen erworben haben. Weiter ist die Bereitschaft der Fachkraft zur ständigen Weiterbildung gefordert.

 

II.                  Lösung

 

1.            Als insoweit erfahrene Fachkraft können nur Fachkräfte iSd. § 72 SGB VIII herangezogen werden. Dies sind insbesondere staatlich anerkannte Sozialpädagogen/innen / Sozialarbeiter/innen, staatlich anerkannte Erzieher/innen sowie Absolventen/innen einer (Fach)Hochschule, die wenigstens einen Bachelorabschluss oder einen vergleichbaren Abschluss in dem Hauptfach Erziehungswissenschaften oder Psychologie vorweisen können. Personen mit anderen Berufsabschlüssen können als Fachkräfte akzeptiert werden, wenn sie wegen vergleichbarer Kompetenzen und Erfahrung seitens des Landesjugendamt als Fachkraft gem. § 72 SGB VIII im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahrens nach § 45 SGB VIII berücksichtigt oder gem. § 10 Abs. 5 KitaPersonalV als geeignete pädagogische Fachkraft genehmigt wurden.

 

2.            Die Fachkraft muss erfahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch in krisenhaften Lebenssituationen sein. Davon ist auszugehen bei einer Berufstätigkeit von wenigstens 3 Jahren in diesem Bereich innerhalb der letzten 5 Jahre.

 

3.            Die insoweit erfahrene Fachkraft muss weiter folgende Kompetenzen besitzen:

 

3.1.            Fachübergreifende Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen (BGB, SGB V, SGB VIII, SGB IX, SGB XII, FamFG, Datenschutz, StGB);

3.2.            diagnostische und methodische Kenntnisse und Fähigkeiten zum Erfassen und Bewerten riskanter Lebenssituationen;

3.3.            Wissen über regionale Angebotsstrukturen und Netzwerke;

3.4.            Kenntnisse und Erfahrung in der Gesprächsführung (auch konfliktbehafteter Elterngespräche), Moderation von Gruppen und Beratung;

3.5.            Kenntnisse über den Umgang mit gruppendynamischen Prozessen und konfliktbehafteter Familienbeziehungen;

3.6.            Wissen um riskante kindbezogene Lebenssituationen bzw. entsprechende Risikofaktoren sowie deren Entstehung und Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung;

3.7.            Fähigkeit zur Selbstreflexion und zu professioneller Balance zwischen Distanz und Nähe;

3.8.            Kenntnisse und Erfahrungen mit der Arbeit von Jugendämtern, Familiengerichten und Ermittlungsbehörden;

3.9.            Wissen um den Auftrag und die Arbeitsweise weiterer kinderschutzrelevanter Institutionen, aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Soziales oder Arbeit.

 

Es wird davon ausgegangen, dass ein entsprechendes Grundwissen insbesondere über Zertifikatskurse zur Fachkraft Kinderschutz mit entsprechenden Modulen und im Umfang von wenigstens 64 Stunden und Erarbeiten einer Belegarbeit erlangt wird. Soweit Fachkräfte in der Vergangenheit bereits eine entsprechende Weiterbildung absolviert haben, wird ein Zertifikatskurs im Umfang von wenigstens 50 Stunden als ausreichend angesehen.

 

4.            Die Fachkraft muss sich auch fortlaufend in Sachen Kinderschutz weiterbilden (wenigstens 1 Tag/Jahr)

 

III.                Alternativen

 

Keine

 

IV.               Zuständigkeit für die Entscheidung

 

Jugendhilfeausschuss gem. §§ 70 Abs. 2, 71 Abs. 3 SGB VIII

 

V.                  Bereits dazu vorliegende Entscheidungen

 

Keine

 

Finanzielle Auswirkungen:

Finanzielle Auswirkungen:

 

Kosten

Sachkonto/Kostenstelle/Kostenträger

 

 

Erläuterung/Deckungsvorschlag

Trifft nicht zu

 

Anlagen:

Anlagen:

 

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