Landkreis Havelland
- Ratsinfo -

Auszug - Berichterstattung zur ZDF Sendung Frontal 21 - Kinderheim "Regenbogenhaus"  

 
 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 4
Gremium: Jugendhilfeausschuss
Datum: Mi, 15.01.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:20 - 18:00
Raum: Landkreis Havelland, DS Nauen, Sitzungssaal 225
Ort: Goethestr. 59/60, 14641 Nauen

 

Sitzungsverlauf

 

Herr Gall, Dezernent II, informiert die Mitglieder darüber, dass durch eine Berichterstattung der ZDF-Sendung „Frontal 21“, über das Gesundheitshaus „Metatron“ in Liepe und das Kinderheim „Regenbogenhaus“ in Kriele, Vorwürfe gegenüber dem Jugendamt des Landkreises Havelland herangetragen worden sind. Schwierig ist dabei, dass beide Institutionen miteinander vermischt wurden. Hier ist deutlich zu unterscheiden zwischen dem Gesundheitshaus „Metatron“ und den Jugendhilfeeinrichtungen in Liepe, hier wird die Fachaufsicht über das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) ausgeführt. Die Kreisverwaltung ist den Vorwürfen sofort nachgegangen. Das Gesundheits- und Jugendamt waren vor Ort. Das Jugendamt hat mit den Kindern gesprochen, für die der Landkreis Havelland zuständig ist. Auch fand ein Austausch mit der Amtsdirektorin von Nennhausen statt.

 

Durch das örtliche Gesundheitsamt war zu prüfen, ob die Regelungen des Heilpraktikergesetzes beachtet werden.

 

Vom Jugendamt musste geprüft werden, ob es meldepflichtige Vorgänge gab im Zuge der Zusammenarbeit hinsichtlich der Betriebsaufsichtspflicht der Betriebserlaubnisbehörde des MBJS. Die Abprüfungen sind unverzüglich vorgenommen worden. Um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, hat Herr Gall Frau Dr. Müller, Amtsärztin/Amtsleiterin des Gesundheitsamtes im Landkreis Havelland und Frau Wagner vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS), Vertreterin der Betriebserlaubnisbehörde, eingeladen. Herr Gall bittet zuerst Frau Dr. Müller, sich zu den Vorwürfen zu äußern und dazu, was das Gesundheitsamt bisher unternommen bzw. geprüft hat.

 

Frau Dr. Müller berichtet über die Abfolge der Prüfungen des Gesundheitsamtes im Gesundheitshaus „Metatron“. Es fand eine unangekündigte Vor-Ort-Prüfung statt. Auseinandergesetzt hat sich das Gesundheitsamt mit allen dort tätigen Mitarbeitern/-innen. Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz waren nicht festzustellen. Die im Konzept beschriebenen und ihr von den Mitarbeitern berichteten angewandten Verfahren sind nicht zu beanstanden. Nach Aussage der Mitarbeiter/-innen gäben diese keine Heilversprechen ab. Dies ist aus der Sicht von Frau Dr. Müller auch glaubhaft, weil es dem beschriebenen Verständnis der Mitarbeiter/-innen von „Gesundheit“ entspricht. Auch gibt es eine Zusammenarbeit mit den Havellandkliniken, die ihr von den Kliniken bestätigt worden sind. Das Gesundheitsamt hat gegenüber dem Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV) berichtet.

 

Frau Wagner erklärt, dass ihre Zuständigkeit in der Erteilung der Betriebserlaubnis für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Land Brandenburg liegt. Weiter berichtet sie, dass es in der Vergangenheit immer wieder Anzeigen betreffend das Kinderheim Regenbogenhaus gegeben hat. Diese waren meist nicht konkret gewesen, auch haben Zeugen nicht zur Verfügung gestanden. Bei jedem der Fälle ist das Ministerium den Hinweisen nachgegangen. Sie hat in keinem Fall Anhaltspunkte gefunden, die eine Schließung der Einrichtung bzw. die Erteilung von Auflagen gerechtfertigt hätten. Dies ist auch das Ergebnis der Überprüfung im Nachgang des Frontal 21 Berichts. Vor einigen Jahren gab es einen Fall von „Drauflegen“ auf ein Kind. Dieser Fall ist aber mit dem Träger ausgewertet worden. Frau Wagner macht darauf aufmerksam, dass die Feststellungen, die sie als Behörde treffen könnten, immer nur punktuell, d. h. Momentaufnahmen, sind. Den gesamten Tagesablauf in der Einrichtung kann sie nicht prüfen. Allerdings sind in den letzten Tagen noch einmal Hinweise bezüglich der pädagogischen Arbeit gekommen, denen nochmals nachgegangen werden muss.

 

Frau Wagner verweist darauf, dass differenziert werden muss, zwischen dem Gesundheitshaus „Metatron“ und dem Kinderheim „Regenbogenhaus“. Die Äußerungen des Zeugen aus dem Bericht haben sich ausschließlich auf das Gesundheitshaus „Metatron“ bezogen.

 

Herr Jagodschinski, AfD-Fraktion, möchte wissen, ob der Sachverhalt des „Drauflegens“ auf ein Kind oder einen Jugendlichen eine gängige Methode ist.

 

Frau Dr. Müller erklärt, dass diese Methode nicht ganz ungewöhnlich ist. Kinder/Jugendliche, sind manchmal nicht in der Lage, Grenzen wahrzunehmen. Prinzipiell ist dies eine übliche Methode im psychotherapeutischen Kontext.

 

Frau Johlige, DIE LINKE/Die PARTEI, ergänzt, dass in dem Beitrag auch der Vorwurf gemacht wurde, das Gesundheitshaus „Metatron“ ist eine sektenähnliche Einrichtung. Sie möchte wissen, ob es dazu Anhaltspunkte gibt.

 

Fr. Dr. Müller äußert, dass dieser Vorwurf nicht aus der Prüfung abzuleiten ist. Stellungnahmen des Gesundheitshauses „Metatron“ kann man nur anhand dessen bewerten, was man wahrnehmen kann. Bei Auslagen wie Flyern in der Einrichtung ist nichts aufgefallen.

 

Frau Johlige möchte weiter wissen, ob es vom Land Brandenburg Unterstützung bzw. Hilfeeinrichtungen für Kommunen und Ämter gibt.

 

Herr Gall bejaht diese Frage. Es gibt einen anerkannten Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche.

 

Es gibt auch vom Land Brandenburg Sektenbeauftragte, ergänzt Frau Wagner und bestätigt die richtigen Schilderungen des Gesundheits- und Jugendamtes. Die Überprüfung der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen wurde vollzogen und es gibt derzeit keinen Anlass zu den Behauptungen im Fernsehen. Die Überprüfung aller Dokumentationen von Regelschulen, Regelkindergärten, Kinderärzten u. a. geben keinen Anlass dazu. Die Betriebsaufsichtsbehörde hat sich als Ansprechpartner (für Betroffene/Zeugen) zur Verfügung gestellt und kaum Antwort bekommen. Einige Hinweise von Bürgern zu Vorfällen lagen in vergangener Zeit und vermischten sich zwischen Gesundheitshaus „Metatron“ und dem Kinderheim „Regenbogenhaus“. Ein Auflegen auf die Kinder oder ein Festhalten dürfe nur zur Gefahrenabwehr erfolgen, eine psychotherapeutische Behandlung dürfe nicht stattfinden. Frau Wagner formuliert auch deutlich, dass die Überprüfungen noch nicht abgeschlossen sind. Aus heutiger Erkenntnis ist die Schließung der Einrichtungen nicht erforderlich und die Herausnahme von Kindern/Jugendlichen nicht notwendig. Frau Wagner merkt jedoch an, dass es eine Qualitätsentwicklung geben muss. Jugendämter in ihrer Verantwortung, müssen überprüfen, ob ggf. Äußerungen an die Betriebserlaubnisbehörde des MBJS herangetragen werden müssen, selbst Hinweise anderer Jugendämter. Die Prüfungen könnten sich nur auf das beziehen, was dem Ministerium vorgelegt werde. Im Ergebnis gäbe es keine besonderen Vorkommnisse.

 

Herr Jagodschinski informiert sich, ob es Kontakte zu den Redakteuren gibt sowie eine Chance für eine Richtigstellung der Vorwürfe.

 

Frau Wagner bejaht den Kontakt zu den Redakteuren, jedoch habe man nicht die Möglichkeit der Durchsetzung einer Richtigstellung.

 

Herr Jagodschinski wünscht sich eine komplette Klärung und fragt nach, ob denn eine Mitteilung bzw. Gegendarstellung erfolgen wird.

 

Frau Wagner erklärt, dass sie nur Fakten mitteilen kann, aber keinen Einfluss auf die Richtigstellung durch das Fernsehen hat.

 

Herr Gall erklärt den Mitgliedern, dass auch der Landkreis Havelland den ZDF Sender immer wieder aufgefordert hat, die Fälle, um die es in dem Beitrag ging, zu benennen. Eine Rückmeldung dazu hat er nie bekommen. In seinen Augen ist das verantwortungslos und eine Form von unterlassener Hilfeleistung.

 

Frau Ziemer, Amtsleiterin, stellt klar, dass es in dem Beitrag um 3 Vorfälle ging:

 

  1. Eigenmächtige Absetzung der von Ärzten verordneten Medikamente und Ersatz durch Homöopathie
  2. Festhalten, Schubsen bzw. „Draufwerfen“ der Erzieher auf ein Kind
  3. Anwendung von Schamanismus insbesondere Seelenrückführung

 

Dazu hat sie sich bei den Amtsvormünderinnen und den Sozialarbeitern/-innen ihres Amtes erkundigt, mit dem Ergebnis, dass:

 

1. keine eigenmächtige Absetzung der von Ärzten verordneten Medikamente vorgenommen wurde, sondern immer mit Absprache der Ärzte, der Erziehungsberechtigten oder eingesetzte Amtsvormünder. Homöopathie wird in Absprache mit den sorgeberechtigten Eltern bzw. Amtsvormündern, angewendet.

2. Das Festhalten/Drauflegen, wird nur im Ausnahmezustand angewendet, wenn das Kind oder der/die Jugendliche sich selbst bzw. Andere damit gefährdet. Dies ist einmal vor ca. 3 Jahren vorgekommen und ausgewertet worden. Das Kind, der/die Jugendliche selbst hat sich auch geändert, sodass dies nicht mehr notwendig ist.

3. Schamanismus wird nur in Verbindung mit der Natur in Form von Wunschsteinen und Tieren, sogenannte Krafttiere, angewendet. Es finden keine anderen Rituale wie Seelenrückführungen statt.

 

Die Kinder und Jugendlichen, Lehrer/-innen, Erzieher/-innen der Einrichtungen sind durch die Mitarbeiter/-innen befragt worden.

Mit dem Geschäftsführer/der Geschäftsführerin der Einrichtungen hat es mehrere Gespräche gegeben, mit der Erkenntnis, dass das Jugendamt auch mit anderen Trägern in Qualitätsdialog treten wird und in Zusammenarbeit mit der Psychiatrie der Asklepios Klinik ein Supervisionsangebot gestaltet wird. Auch eine gemeinsame Fallberatung soll hier als Lösung angeboten werden.

 

Herr Wellmann, stellvertretender Vorsitzender, möchte wissen, ob der/die Arzt/Ärzte Kenntnis darüber haben, wenn homöopathische Mittel bei einem Kind/Jugendlichen angewendet werden.

 

Herr Gall erklärt, dass die ärztliche Versorgung der Kinder und Jugendlichen dieser Einrichtungen vorbildlich ist. Dies haben ihm die Amtsvormünder bestätigt. Sehr viele Anwendungen laufen über die Natur, Musik und Tiere. Zum Thema Sekte äußert Herr Gall, dass das durch ein Merkmal ausgeschlossen ist, da schon durch die vielen Außenkontakte die die Kinder und Jugendlichen haben, nicht gegeben. Sie gehen regelmäßig in die Regelkindergärten und die Regelschulen, Elternarbeit wird angeboten, Kinder werden zu Geburtstagsfeiern eingeladen. Es gibt keine Abschottung. Im Gegenteil, die Kinder und Jugendlichen sind fester Bestandteil im Amt Nennhausen und der Stadt Friesack. Eine Ombudsperson spricht in regelmäßigen Abständen mit den Kindern und Jugendlichen.

 

Frau Dias Branco, Vertreterin der freien Träger, kann die Aussagen von Herrn Gall bestätigen, da sie selbst als Träger der Jugendhilfe einige der Kinder und Jugendlichen des Kinderheims „Regenbogenhaus“ kennt und mit ihnen eng im Rahmen der Jugendhilfe zusammenarbeitet.

 

Herr Jagodschinski findet, dass man von dem ZDF-Sender eine Richtigstellung verlangen sollte.

 

Herr Huth, Vertreter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, möchte wissen, ob der Träger des Kinderheims „Regenbogenhaus“ im Landkreis Havelland eine Alleinstellung hat.

 

Frau Ziemer informiert die Mitglieder über ein weiteres Angebot in Rathenow, mit besonderem Förderbedarf. Im östlichen Havelland werden Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 12 Jahren mit Erfahrung von sexuellem Missbrauch durch den Träger des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) betreut. In Falkensee gibt es eine Wohngruppe des Trägers Phönix „Unverkrampft“, spezialisiert auf die Betreuung von Kindern im Alter ab 4 Jahre.

 

Herr Johlige, Fraktion CDU/Bauern/LWN, erklärt, dass es nicht die Aufgabe des Landkreises Havelland/das Jugendamt ist, für eine positive Berichterstattung in den Medien zu sorgen. Es stellt sich auch die Frage, ob ein Bericht überhaupt sinnvoll ist, muss man klagen? Seiner Meinung nach muss der Träger selbst entscheiden. Da auch das Kindeswohl betroffen ist, muss man sich die Frage stellen, ob man so weit gehen will.

 

Herr Wellmann findet, dass schon genug Hetze im Internet gemacht wird. Eine Darstellung, was das Jugendamt alles unternommen und geprüft hat, ist erfolgt.

 

Herr Gall ergänzt, dass es mehrere Berichte von Seiten des Jugendamtes in der örtlichen Presse und im Regionalsender Berlin-Brandenburg gegeben hat. Die lokale Presse hat verantwortungsvoll darüber berichtet.