Landkreis Havelland
- Ratsinfo -

Auszug - Bericht über die Arbeit eines Streetworkers/einer Streetworkerin  

 
 
Sitzung des Jugendhilfeausschusses
TOP: Ö 5
Gremium: Jugendhilfeausschuss
Datum: Mi, 17.10.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:15 - 18:45
Raum: Havelland Kliniken GmbH, Klinik Rathenow
Ort: Klinik Rathenow, Konferenzraum II, Raum Nr. B334

 

Die Falkenseer Streetworkerin Karen Voigtle vom Jugendclub Saftladen Mikado e. V. stellt sich und ihre Arbeit vor.

 

Anhand einiger Beispiele bringt sie den Sitzungsteilnehmern die Schwerpunkte ihrer Arbeit näher. Unter Anderem erklärt sie, dass es wichtig sei, dass der Klient auf sie zukomme und die Hilfe auch wirklich annehmen wolle. Bedeutsam empfinde sie auch die Notwendigkeit, bei den Kindern und Jugendlichen die Gründe ihrer Probleme zu hinterfragen. Diese kämen zumeist aus dem familiären Bereich. Deshalb müssten die Eltern mit ins Boot geholt werden. Sie erlebe es oft, dass Jugendliche nach Fehlverhalten geringschätzig behandelt würden. Ihr sei es wichtig, junge Menschen wertzuschätzen.

 

Den Fokus bei ihrer Arbeit setzt sie auf die Einzelfallhilfe, sei es die Hilfe bei der Wohnungssuche oder die Begleitung bei Behördengängen, wie Jobcenter oder Arbeitsamt. In Falkensee sei es sehr schwer bezahlbare Wohnungen für die Jugendlichen zu finden. Daher werde auch oft als Alternative eine Wohnung in Berlin Spandau gesucht.

 

Probleme seien außerdem Alkoholmissbrauch, Drogenkonsum und Beschaffungskriminalität, sowie Verschuldung. Als Streetworkerin arbeite sie sehr eng mit Schulen, anderen Fachdiensten und Jugendklubs zusammen. Sie betonte, dass sie kein Ordnungspolizist sei. Vielmehr seien wichtige Ziele ihrer Arbeit die Förderung der Akzeptanz der Jugendlichen, die Erweiterung sozialer Kompetenzen und die Reduzierung von Diskriminierung und Benachteiligung.

 

Es sei in Ordnung, dass junge Menschen sich im öffentlichen Raum aufhalten. Man dürfe jedoch nie versäumen, sie auf Regeln aufmerksam zu machen und mit ihnen zu kommunizieren. Bei der Größe der Stadt Falkensee und als weibliche Streetworkerin müsse sie natürlich auch Prioritäten setzen. So könne sie nicht überall sein und beende zum Selbstschutz um 22 Uhr ihren Außendienst.

 

Herr Dr. Mueller merkt an, dass er die Arbeit der Sozialarbeiterin sehr schätze. Er erkundigt sich, ob die Jugendlichen feste oder eher dynamische Treffpunkte haben.

 

Frau Voigtle berichtet, die anzutreffenden Gruppen würden extrem altersgemischt sein (13-40 Jahre) und schnell wechseln, da junge Menschen in Berlin unterschiedlichste Angebote wahrnehmen können. Sportangebote würden in Dallgow-Döberitz besser fruchten. In Falkensee gäbe es keine freien Sporthallenzeiten.

 

Die Gleichstellungsbeauftragte, Frau Reisinger, erkundigt sich, wie die Streetworkerin Kontakt mit ihren Einzelfallklienten aufnimmt. Frau Voigtle erklärt, dass sie durch Mundpropaganda bekannt sei. Sie werde von den Klienten angerufen und um Hilfe gebeten. Oftmals würden auch ehemalige Klienten sie weiterempfehlen. Günstig sei, dass sie jetzt auch über ein Beratungsbüro im Jugendclub Saftladen verfüge.

 

Herr Chodzinski erfragt, warum die Wohnungssituation so schlecht aussehe, und ob die Sozialarbeiterin sich mehr Hilfe von Wohnungsgesellschaften oder Verwaltung wünschen würde.

 

Frau Voigtle führt aus, dass die Zusammenarbeit mit Vermietern sehr gut funktioniere, jedoch seien viele Vermieter nach schlechten Erfahrungen nicht mehr bereit, problembehaftete Jugendliche aufzunehmen. Gelinge dies doch, sei es vorteilhaft, wenn die Miete aus dem Leistungsbezug unmittelbar an den Vermieter ginge.

 

Herr Gall bekräftigt, dass Streetwork aufsuchende Sozialarbeit sei und keine Ordnungsamt-Tätigkeit. Ein funktionierendes Netzwerk mit Suchtberatungsstellen, Jobcenter und dem ASD sei wichtig. Aus dem Bericht der Jugendgerichtshilfe wisse er, dass Mädchen zunehmend gewaltbereiter seien. Er fragt an, ob Frau Voigtle dies bestätigen könne und inwieweit sie mit der Altersgruppe 14-18 Jahre arbeite.

 

Die Streetworkerin antwortet, dass ihre Klienten auch 13 und 14 Jahre alt seien, jedoch würden junge Menschen ab 18 Jahren stärkere Einzelhilfen benötigen. Bei den Minderjährigen reiche oft die Ansprache im öffentlichen Raum. In den Schulen führe sie Projekte z. B. zu Alkoholprävention durch. Mädchen seien offen für Projekte und für Jugendeinrichtungen, hätten aber zugleich stärkere Hemmungen individuelle Hilfen zu suchen. Sie bestätigt, dass Mädchen durchaus schlagen, stehlen, trinken, Drogen nehmen und großes Potenzial für Mobbing hätten. Es sei traurig, dass viele Mädchen keine andere Perspektive sehen, als ein Kind nach dem anderen in die Welt zu setzen in der Hoffnung auf Absicherung und Anerkennung.

 

Herr Gall bedankt sich für die Ausführungen und das große Engagement.


Beschluss

 


Abstimmungsergebnis